Donnerstag, September 29, 2022

Burg Hellenstein (Heidenheim an der Brenz)

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Heidenheim an der Brenz ist eine Stadt im Südwesten Deutschlands im Baden-Württemberg. Die Geschichte dieser Stadt kann auf eine ferne menschliche Vergangenheit zurückgeführt worden, aber die wirkliche Entwicklung der Stadt begann im Mittelalter. Das Gebiet von Heidenheim an der Brenz in der Vorgeschichte wurde von Neandertalern (Homo erectus) bewohnt, die vor etwa 70.000-50.000 Jahren in der prähistorischen Kultur der jungen Acheuléen in Verbindung gebracht wurden. Der Beweis ihrer Anwesenheit findet sich rund um die heutige Heidenschmiede, eine wichtige archäologische Stätte, deren Funde bis ins Mittelpaläolithikum zurückreichen. Der schwäbische Historiker Hermann David Mohn (1896- † 1958) war einer der ersten Forscher, „der dieses Gebiet ausgegraben hat. Von der Zeit der ersten Ausgrabungen bis heute wurden rund um die Heidenschmeide insbesondere im Lonetal mehrere tausend verschiedene prähistorische Artefakte entdeckt. Die ersten Ausgrabungen im Lonetal datieren auf das Jahr 1861 durch den Geologen und Paläontologen Oskar Fraas und später Robert Wetzel, Otto Völzing, Joachim Hahn, Nicholas Conrad. Bekannteste Höhlen für Forscher im Lonetal waren die „Bärenhöhle“, „Hohlenstein Stadel“, „Bockstein“. Ausgrabungsfunde zeigten auch, dass sich prähistorische Menschen mit verschiedenen kulturellen Gruppen wie Moustérien und Beuronien vermischten. Erste Siedlungen entstanden in der Eisenzeit zwischen 1300 und 800 v. Am Ende des Jahres 85 n. Chr. errichtete eine elitäre römische Formation Ala Secunda Flavia pia fidelis milliaria ihre Festung am Ort dem heutigen Heidenheim. Diese Festung wurde in der römischen Straßenkarte Tabula Peutingeriana (oder Die Peuntinger-Karte) als Aquileia markiert. Der Bau einer Festung in diesem Gebiet war für die Römer wichtig, denn die Rolle dieser Festung bestand darin, die Grenze des Römischen Reiches vor keltischen Angriffen zu schützen. Diese Festung erstreckte sich zusammen mit der Siedlung über eine Fläche von 20 Hektar. Nach einiger Zeit wurde die Festung nicht nur für militärische Zwecke genutzt, weil strategische Positionen für Römer geändert wurden. Ab 150 n. Chr. wurde die Festung zu einem Zentrum der Zivilverwaltung. Etwa 20 Kilometer von der jetzigen Position entfernt wurde ein neuer Limes (Grenze) errichtet. Die Konföderation germanischer Stämme Alemannen (Schwaben) wurden zwischen 233 und 260 n. Chr. meist von römischen Befestigungen an den Grenzen in Gallien angegriffen. Im Jahr 260 n. Chr. gelang es den Alemannen, die Befestigungsanlagen zu erobern und die römischen Truppen um das Gebiet, dem heutigen Heidenheim zu vertreiben.

Burg Hellenstein, Mittelalter

Ruine des Rittersaals der Burg Hellenstein, Heidenheim an der Brenz. Foto: Alen Salihovic, Februar 2020.

Die erste Erwähnung von Heidenheim an der Brenz vermuten einige Historiker im 8. Jahrhundert n. Chr. Im historischen Quellen wurde Heidenheim im Kontext der Gründung des angelsächsischen Doppelklosters (Kloster Heidenheim) erwähnt, das von Willibald (Bischof von Eichstätt) gegründet wurde. Dieses Kloster ist etwa 70 Kilometer von Heidenheim an der Brenz entfernt. Die Festung Heidenheim an der Brenz oder Hellenstein wurde zwischen 1120 und 1130 von Hellensteins Familienmitglied, wahrscheinlich Gozbert de Hallensteine erbaut. Gebietsmäßig gehört es zum Herzogtum Schwaben. Friedrich I. Barbarossa, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, ernannte den edlen Degenhard von Hellenstein zum Prokurator (Statthalter) für das Herzogtum Schwaben. Schloss Hellenstein war bis Ende 1273 im Besitz der Familie Hellenstein, als der letzte männliche Nachfolger starb.

In den nächsten 80 Jahren waren mehrere Besitzer im Besitz von Schloss Hellenstein. Ludwig IV. von Spitzenburg (später Ludwig I. von Helfenstein) erweiterte sein Herrschaftsgebiet auf die Schwäbische Alb, Heidenheim an der Brenz, Ulm und das Donautal bei Sigmaringen. Offiziell stand Hellenstein ab 1351 unter der Herrschaft der Familie Helfenstein, aber zu dieser Zeit kämpfte die Familie Helfenstein mit dynastischen Auseinandersetzungen.

Ulrich VI. teilte das Haus Helfenstein in zwei Zweige, Wiesensteiger und Blaubeurer auf. Der Blaubeurer Zweig hatte in ihrem Besitz ein sehr kurzes Gebiet von Heidenheim. Im Jahr 1480 verlor der Zweig Blaubeuer viele Gebiete, darunter Hellenstein, das Eigentum des Hauses Württemberg wurde, aber 1504 offiziell von Bayern anerkannt wurde. Am 5. August 1530 wurde Hellenstein ausgebrannt und einige Jahre später Herzog Ulrich von Württemberg (1487-1550) ordnete einen Wiederaufbau an, der von 1537 bis 1544 dauerte. Nur der sogenannte Rittersaal war nicht Bestandteil des Wiederaufbaus der Stadt und ist heute noch im Originalzustand zu sehen. Unter Friedrich I. von Württemberg (1557-1608) begann ein neuer Wiederaufbau mit neuen Mauern und Gebäuden, darunter Fruchtkasten und Kirche. Der italienisch-niederländische Architekt und Maler Friedrich Sustris wurde 1593 mit der Dekoration von Mauern und Turm beauftragt. Friedrich I. ordnete auch den Bau einer neuen Wasserversorgung an, die nach seinem Tod 1611 fertiggestellt wurde. Hauptarchitekt dieses Projektes war Heinrich Schichkardt aus Stuttgart. Einige Jahre später brach einer der zerstörerischsten Kriege in Europa aus, der sogenannte Dreißigjährige Krieg (1618-1648), und seine Hauptakteure waren fast alle kontinentaleuropäischen Staaten. Der Krieg begann als Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken, entwickelte sich aber zu einem allgemeinen Krieg, der den größten Teil Europas erfasste.

Während des Krieges 1634 wurde Hellenstein erneut beschädigt und die Wasserversorgung zerstört. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde zwischen 1666 und 1670 im südlichen Teil der Stadt ein völlig neues Wassersystem mit einer Tiefe von 78 Metern gebaut. Dieses Wassersystem war der Legende nach als „Kindlesbrunnen“ oder Babybrunnen bekannt und ist noch heute in gutem Zustand. Während des spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714) besetzten die Franzosen die Burg mit etwa 10.000 Soldaten, die Eroberung wurde gestoppt, weil sie zu große militärische Verluste einschätzten. 1805 besuchte Napoleon Bonaparte während seines Feldzuges auch Schloss Hellenstein, doch ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann der mittelalterliche Hellenstein seinen Zweck zu verlieren. Die Stadtentwicklung begann unterhalb der Festung und die Eisen- und Textilindustrie begann sich zu entwickeln.

Quellen

  • Landesmuseum Württemberg (2012): Legendäre Meisterwerke. Kulturgeschichte(n) aus Württemberg. Begleitband zur Dauerausstellung. Stuttgart, S. 23.
  • Peters, E. (1931): Die Heidenschmiede in Heidenheim. In: Fundberichte Baden-Württemberg, NF VI, S. 1-36.
  • Württembergisches Landesmuseum, Keefer, Erwin (1993): Steinzeit. Stuttgart, S. 18 f.
  • Württembergisches Landesmuseum, Schröder, Heike (Red.) (1998): Kunst im Alten Schloß. Stuttgart, S. 20
  • Stepahine Hollis, Anglo-Saxon Women and the Church: Sharing a Common Fate, Great Britain 1992.

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