Als die ersten Ausgräber der französischen Mission archéologique Ende des 19. Jahrhunderts begannen, die Hügel von Susa zu untersuchen, da hatten sie die riesige Anlage, die die gewaltige Terrasse auf der sogenannten Akropolis darstellte, gar nicht als Bauwerk erkannt. Tatsächlich aber hatte sich auf dem Hügel eine mehr als 10 Meter hohe und 80 Meter breite Anlage aus Unmengen von luftgetrockneten Lehmziegeln erhalten.

Die ersten Zikkurate in Elam

Genauere Untersuchungen 1972 ergaben schließlich, dass es sich ursprünglich um eine große Terrassenanlage gehandelt hatte, die in Zusammenhang mit anderen Funden als Stufentempel oder zumindest als Vorstufe eines Zikkurats interpretiert werden konnte.

Aufregend wurde dieser Fund und seine Interpretation vor dem Hintergrund, dass in jener Zeit, als Susa offensichtlich planmäßig gegründet und der Tempel gebaut worden war, nirgendwo sonst etwas Vergleichbares errichtet worden war. Die Gründung von Susa und der Tempelbau fanden nämlich etwa 4200 vor unserer Zeit statt. Erst rund 1.000 Jahre später hatte man in den mesopotamischen Städten mit dem Bau von Zikkuraten begonnen.

Susa, eine elamische Zentralsiedlung

Susa aber liegt nicht einmal in Mesopotamien, also dem heutigen Irak, sondern östlich davon im Iran. Susa ist auch kein sumerischer Ort, sondern eine Siedlung mit ganz eigenständiger Kultur. Und wie sich im Laufe der archäologischen Untersuchungen herausstellte, war Susa nur eines von vielen Zentren und Siedlungen, die östlich von Mesopotamien das Gebiet vom Persischem Golf über das Zagros-Gebirge entlang der Flüsse bedeckten. Gemeinsam bildeten diese einen relativ einheitlichen und eigenständigen Kulturkreis. Diese besondere, die elamische Kultur, hatte, wie die hochwertigen Funde belegen, bereits vor der Gründung Susas eine jahrhundertealte Tradition.

Entstehung der Schrift in Elam

Viele der Kulturtechniken, deren Ursprung bislang dem sumerischen Zweistromland zugeordnet wurden, dürften ihre Basis in Elam haben. Das gilt nicht nur für die Stufentempel, deren Bezeichnung Zikkurat sich auf das elamische Wort sik-ra-tu zurückführen lässt, sondern auch für die Schrift.

In Susa hat man die bislang reichsten Belege für die Stufe unmittelbar vor Einführung der Schrift in Form von Tonbullen mit Symbolsteinchen, Rollsiegeln und Tontäfelchen mit stark schematisierten Zeichen gefunden. Und das belegt, dass der Umgang mit Zählzeichen und Schriftsymbolen hier bereits eine längere Tradition hatte und zur Verwaltung notwendig war. Länger offensichtlich, als in den im 4. Jahrtausend neu aufstrebenden Zentren Mesopotamiens.

Susa, ein elamisches Fernhandelszentrum

Susa war zweifellos eine reiche Handelsstadt, die von den im östlichen Iran gelegenen Zentren der Metallverarbeitung profitiert haben dürfte. Kupferäxte und andere metallene Luxusgegestände, die ihren Ursprung aus über 500 Kilometer entfernten Gegenden hatten, fanden sich in großer Zahl in Susa, noch bevor in Mesopotamien überhaupt etwas Derartiges zu finden war.

Trotz zahlreicher Funde im ganzen elamischen Gebiet bleibt diese Kultur nach wie vor rätselhaft. So erreichten gerade die Töpferwaren eine für diese Zeit unerreichte handwerkliche Qualität. Und das ohne Töpferscheibe. Bis heute nicht interpretierbare Muster, Motive und Symbole zieren die dünnwandigen Becher, Schalen und Figuren.

Das Ende von Elam

Wie die Fundberichte zeigen, bestand Susa nicht nur aus der sogenannten Akropolis mit dem Tempelbau, an dessen Fuße sich Lager und Werkstätten befanden. Auf dem etwas niedrigeren der beiden Siedlungshügel, dem Apadana-Hügel, befand sich die eigentliche Wohnsiedlung. Leider sind weite Teile der ursprünglichen Bebauung für die Nachwelt zerstört worden. Der Perserkönig Dareios der Große hatte dort nämlich den Empfangssaal seines Palastes gebaut, hierfür ein 20 Meter tiefes Fundament errichten lassen und damit sämtliche früheren Schichten restlos beseitigt.

Zumindest aber konnte ein immerhin sechs Meter breiter Wall der alten Siedlung ausgemacht werden. Ob er nur die etwa 6,3 Hektar große Wohnsiedlung oder aber auch das rund 7 Hektar große Tempelareal umschloss, konnte allerdings nicht mehr geklärt werden.

Susa, die 3000-jährige Stadt

Rund 3.000 Jahre existierte die Stadt als Teil des elamischen Kulturkreises. Natürlich wurde sie auch zerstört, wieder aufgebaut und von Feinden besetzt. Reichtum weckte schon immer Begehrlichkeiten bei den Nachbarn. Und auch die Elamer waren nicht zimperlich. Mal gehörten sie zu den Eroberten, mal zu den Eroberern in der Region und darüber hinaus. Die über diesen langen Zeitraum unglaublich vitale elamische Kultur aber verliert sich erst allmählich, als sie im Persischen Reich aufgeht.